„Es braucht Pippi und Annika“ – das lehrte uns schon Astrid Lindgren.

Die Freiheit und „tun und lassen wonach der Sinn steht“ wird oft mit der Maxime an Glück gleichgesetzt. In der Geschichte von Astrid Lindgren „Pippi Langstrumpf“ vertritt Pippi das Gefühl von völliger Selbstbestimmtheit und Freiheit. Als Gegenpol gibt es die Protagonistin „Annika“, welche für Struktur und Form steht. Als beide aufeinander treffen, zeigt sich, dass beide in Extremen leben und die Balance in der Mitte liegt.

So schickt sich Pippi selbst früh ins Bett, anstatt bis in die Puppen wach zu bleiben und Annika entwickelt mehr den Mut die Struktur zu verlassen und an sich selbst zu glauben. Ein bisschen was von Beidem – der Mix machts.

Als ich vor einem Jahr nach Fuerte ausgewandert bin, erlebte mein Leben eine Veränderung vom einen Extrem ins Andere. Ich lebte früher mehr wie „Annika“, sehr strukturiert, organisiert, abgesichert und kopflastig.

Mein Umfeld gab mir eine Form, die mich hielt und in der ich mich geschützt fühlte. Die „Pippi“ in mir wurde geweckt, als ich mich auf das Abenteuer Auswanderung und Verlassen meiner Form einließ.

Ich spürte, dass meine „Pippi“ Raum brauchte um sich zu entfalten. Die ersten Monate habe ich es unglaublich genossen keine äußere Form (Wecker, Termine, Verbindlichkeiten etc.) zu haben. Ich schlafe seit einem Jahr (fast) jeden Tag aus und kann mir meine Zeit selbst einteilen und entscheiden, was ich machen möchte.

Das ist Luxus. Freie Zeit. Schattenseite: Es bedeutet Verantwortung.

Verantwortung dafür, diese Zeit klug zu nutzen. Das war ein Prozess, den ich erst verstehen musste. Das Struktur und Form von Außen nichts Negatives ist, denn ich sehne mich sogar manchmal nach einem 9to5 Job zurück. Doch diese Auszeit gibt mir die Möglichkeit mein eigenes Formbewusstsein und z.B. Grad an Struktur in meinem Leben selbst zu definieren. Ich schaffe mir meine eigene Struktur am Tag, in der Woche und im Leben. Was möchte ich WIRKLICH? Es gibt mir die Zeit Dinge zu überdenken und auszusortieren, was gehört wirklich zu mir.

Freie Zeit klug zu gestalten bedeutet auch zu wissen/rauszufinden, was einem Spaß macht.

Die Kreativität und Freiheit lässt sich für mich besser genießen und ausleben, wenn es auch die Struktur und Ordnung gibt, die ihr einen Rahmen gibt.

Mein Learning: Es braucht Pippi und Annika.