Simi Tieber, 34, auf Weltreise

Was hat dich auf der Reise am meisten überrascht? „Ich mich selbst.“
„Alleine reisen hat für mich alles verändert. Früher war ich schüchtern und heute vertraue ich mir und weiß was ich kann. Man lernt so viel über sich selbst und wächst, wenn man Situationen ausgesetzt ist, die man selbst lösen muss. Denn es gibt immer Lösungen.“

Simis Heldenreise

Gewohnte Welt

Mit 32 beschloss Simi auf Weltreise zu gehen. Vorher lebte sie ein „normales Leben“, mit kurzen Wochenend-Trips, 9to5 Job und einem stabilem sozialem Umfeld. Seitdem sie 6 Jahre alt ist, schlummert in ihr der Traum einmal die Welt zu bereisen. Dieser klopfte während der Jahre immer wieder an, doch es kam wiederholt etwas dazwischen.

Doch 2016 folgte ein lauter Ruf des Körpers in Form einer schweren Mandelentzündung. „Ich wollte raus, habe mich nicht getraut, der Körper hat mir gezeigt, da passt was nicht. Ich war irgendwie unglücklich, habe Reiseblogs gelesen und mir vorstellen, wie es sein könnte alleine zu reisen.“

Der 12. August 2016, der entscheidende Tag, an dem Simi ihr Leben in eine andere Richtung drehte. Sie wachte morgens auf und beschloss:

„Entweder du machst es heute, oder du machst es nie.“

 

Wo der Entschluss plötzlich stand, war sie innerlich klar und die Umsetzung ging plötzlich ganz schnell. Direkt am Morgen kündigte Simi ihren Job. Am Abend folgte das Gespräch mit Familie und Freunden. „Andere planen Auswanderungen weit im Voraus. Ich habe lange mit der Entscheidung gerungen und es dann von heute auf morgen gemacht.“

Im direkten Freundeskreis fand Simi wenig Gleichgesinnte, doch Erfahrungsberichte in Blogs haben ihr Mut gemacht und Orientierung gegeben. Trotz einiger kritischen Stimmen im Umfeld, wie „mit Anfang 30 noch auf Weltreise, lieber Kinder und Familienplanung“, ließ sich Simi nicht von ihrem Weg abbringen.

Wohin es für sie gehen sollte, war klar: Mittelamerika. Sie wählte den günstigsten Flug, der ging nach Panama. Trotz nur einer einzigen Erfahrung im Alleinereisen, spürte sie, das ist das Richtige.

 


Land der Abenteuer

Den Rucksack noch schnell am Abend vorher gepackt ging es los. Schneller, etwas chaotischer und emotionaler als Simi dachte.
Doch mit einer Menge Mut im Gepäck landet Simi im Hostel in Panama. Dort trifft sie auf Wegbegleiter und ihren Partner, mit welchen sie sich spontan entschied, die Reise gemeinsam fortsetzte. „Trotz dem alleine Reisen, ist man nicht zwingend nur alleine, sondern trifft auf viele Wegbegleiter und muss sich Zeit alleine manchmal nehmen“

Simi selbstbeschriebene „Hochphase“ ließ sie aufleben. Trotz Alltagssorgen wie Sprachbarrieren, sich fremd fühlen, den neuen Standards und einigen Kulturschocks.
„Vor der Reise hatte ich Angst und wo die Reise begonnen hat, war sie weg.“

Doch dann stand die erste Prüfung an. Simi reiste zusammen mit ihrem damaligen Partner, dessen Reisezeit nun beendet war und es zog ihn zurück nach Brasilien. Ihre Pläne sahen einen Aufenthalt daheim in Wien vor.

Als die Wege sich räumlich trennten, entschied sich Simi für die Liebe und änderte ihre Pläne. Somit ging es nach Brasilien und sie führten ihre Weltreise gemeinsam in Südamerika weiter.

Nach der Zeit der Liebe, folgte eine weitere Prüfung, die Simi alles abverlangte. Als die Beziehung zu Ende ging, stand sie nicht nur vor Liebeskummer, sondern auch vor der Frage:

„Setze ich meine Weltreise auch alleine fort?“

Simi wollte die Welt bereisen, seit dem sie ein kleines Kind war. „Der Liebeskummer wird mich nicht von meinem Traum abhalten“. Diese Stimme hat sich bei ihr durchgesetzt und Simi trat die Weiterreise nach Afrika, welche eigentlich mit dem Ex-Partner geplant war, nun alleine an.

Während dieser Zeit spielten neben der Familie auch zwei Wegbegleiterinnen eine wichtige Rolle. Simi traf sie während ihrer Zeit in Afrika und sie bestritten ihre weitere Reise gemeinsam. „Sie waren wie ein Geschenk“, bei ihnen fand Simi emotionale Stütze und konnte zu ihrer Stärke zurückfinden.
„Beim Reisen zieht man die Leute an, die man braucht und die einen weiterbringen. Ebenfalls lernt man seine richtigen Freunde kennen.“

Rückblickend beschreibt Simi die Trennung als „ das Beste, das mir passieren konnte. Ich hätte mich sonst nie so entwickeln können.“ Der Schmerz verhalf ihr ihre eigene Stärke zu erkennen.

Simis Elixier ihrer Reise beinhaltet als erstes die Liebe zum Reisen und die Begegnungen mit vielen liebevollen Menschen. Ebenfalls enthalten ist die Kraft der Naturwunder und die Erkenntnis „wie viel die Welt zu bieten hat“. „Das gibt mir die Kraft, in den blöden Tagen, die Jeder hat.“

 


Neue Welt

In Simis aktueller Welt befindet sie sich kurz davor ihre Weltreise fortzusetzen. Nach 2 Jahren Untervermietung, gilt es die Wohnung in Wien aufzulösen. Sie hat sich von einem vollen Kleiderschrank zu einer Minilistin entwickelt –„ Meine Welt passt heute in einen Rucksack.“

Ebenfalls keinen Platz haben „Energieräuber“ diese hat Simi aus ihrem Umfeld „eliminiert“ und umgibt sich heute mit einem Umfeld, dass ihr gut tut.

In Simis Vision ihrer Zukunft sieht sie sich selbst weiter reisen, die Welt mit ihren verschiedenen Kulturen und Menschen entdecken.

Durch die positive Resonanz in sozialen Medien auf Simis bisherige Weltreise, wird diese in ihrer Vision zu einem Business geworden sein, dass ihr eine berufliche Selbstständigkeit ermöglicht. „Ich möchte Andere inspirieren, ihnen mitgeben sich aus ihrer Komfortzone zu begeben und etwas zu erleben.“

Auch in der Zukunft soll Simis Heimat in Wien mit Familie und Freunden ein wichtiger Teil ihres Lebens sein. Hier sind ihre Wurzeln zu denen sie gerne zurückkommt (auf Besuch).

Der bereits durch die bisherigen Reisen gewonnene persönliche Entwicklungsprozess, wird in Simis Vision eine wichtige Rolle spielen. „Wenn es einem selbst gut geht, kann man Gutes weitergeben“

Auch der Liebe wird in der Zukunft ein Platz gegeben und Simi sagt selbst „in meiner Vision ist ein in Bleistift gemalter Partner, denn ich sehe mich in einer Partnerschaft“

Zudem möchte Simi ihrer Zukunft auch einen Freiraum geben, den es sich noch nicht auszumalen gilt und in dem das unerwartete Abenteuer passieren kann.

 

 

Was hat dich auf der Reise am meisten überrascht?
„Ich mich selbst.“

„Ich war vorher der Typ, dem man eine Weltreise nie zugetraut hätte. Ich habe mich selbst überrascht. Vorher eine Fülle an materiellen Dingen und vollen Kleiderschrank, heute Minimalismus.“

„Alleine reisen hat für mich alles verändert. Früher war ich schüchtern und heute vertraue ich mir und weiß was ich kann. Man lernt so viel über sich selbst und wächst, wenn man Situationen ausgesetzt ist, die man selbst lösen muss. Denn es gibt immer Lösungen.“

 

Am 5. November geht es für Simi weiter nach Asien. Diesmal gibt es kaum Vorplanung, doch das sieht sie ganz entspannt, denn sie will offen für das Unerwartete sein und weiß wie das mit dem Reisen geht.
Simis Message: „Man soll es einfach machen. Das was auf dem Herzen brennt. Sei es eine Weltreise oder was auch immer. Das Leben ist zu kurz, das man nicht mal versucht den Traum zu realisieren.“

Vielen Dank Simi für das wundervolle Interview und den Mut deine Heldenreise zu teilen.